Wir haben uns über 20 bis 30 Jahre an Microsoft Windows gewöhnt. Nicht, weil es der einzig sinnvolle Weg wäre, sondern weil es überall war: Schule, Behörden, Unternehmen, Prüfungen, Zuhause. Wer seine ersten Texte in Word schreibt, lernt nicht nur Software – er lernt ein Denkmuster.
So wurden Fähigkeiten durch Produkte ersetzt. Schreiben ist Word. Tabellen sind Excel. Präsentationen sind PowerPoint. Was allgegenwärtig ist, gilt als Normalität, alles andere als Zumutung. Vendor-Lock-in entsteht hier nicht technisch, sondern im Kopf.
Techies sehen Alternativen. Sie kennen sie, können sie bewerten und einsetzen. Blockiert wird der Wechsel meist nicht aus technischen Gründen, sondern organisatorisch: „Das versteht sonst keiner.“ Das ist kein Angriff auf Nicht-Techies – sondern auf ein System, das ihnen über Jahrzehnte beigebracht hat, Arbeit mit bestimmten Logos zu verwechseln.
Das Ergebnis ist absurd: Diejenigen, die Alternativen kennen, dürfen sie nicht nutzen. Diejenigen, die entscheiden, wissen nicht, dass es Alternativen gibt. Der Lock-in wird nicht verteidigt – er wird weitervererbt.
Wer das ändern will, braucht keine neue Lizenzstrategie, sondern Aufklärung. Kompetenz von Werkzeug trennen. Offene Formate nutzen. Gewohnheiten verlernen. Open Source ist dabei weniger Ideologie als Erinnerung: Systeme sind austauschbar. Abhängigkeit ist kein Naturgesetz.